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Am 19. Mail 2009 wurden die Anhörungen zur Verlegung des auflandigen Abschnittes der Gasleitung, welche die Auffangstation in Glengad mit der Raffinerie in Bellanaboy verbinden soll, von der zuständigen Planungsbehörde eröffnet, die laut Schätzungen ca. 3-4 Wochen andauern sollten.
Shells Consultant-Firma RPS machte den Anfang und bezeichnete die neueste Streckenversion der Gasleitung als „sicher“, da sie „sämtliche relevanten Standards und Vorgaben“ einhalte. Diese neue Route erreiche „eine optimale Balance zwischen kommunalen, technischen und Umweltkriterien“. Der geotechnische Experte der Behörde, Turlough Johnston, kam nach einer Begehung der betroffenen Areale zum gleichen Ergebnis: die Leitung könne sicher verlegt werden, da es keine Anzeichen für eine Instabilität des Torfbodens gebe und somit kein Risiko für die Konstruktion darstelle.
3 Anwohner entfernten sich von der ersten Anhörung, da sie erfolglos eine Klarstellung des Jurisdiktionsbereichs der Behörde verlangten, bevor die Gespräche fortgesetzt werden. Sie erhielten auch keine Antwort auf ihre Frage, warum Shell gegenwärtig Arbteiten ausführe, die Gegenstand dieser Anhörung seien. Die Corrrib-Gegner bezichtigten den Vorsitzenden, Martin Nolan, der Verschleierung, da er es ablehne, auf Schlüsselfragen der besorgten Bürger nicht detailliert genug zu antworten. Ebenso scheiterte der Antrag einer weiteren Anwohnerin, Vertreter der Environmental Protection Agency (EPA) sowie der Health and Safety Authority (HSA) in die Anhörung einzubeziehen. Auf Nachfragen erwiderten Sprecher der HSA, dass die Behörde diesen Fall nicht als ihren Aufgabenbereich betrachte.
Am 3. Tag der Anhörung wurde von Vertretern der Umweltbehörde dargelegt, dass die jetzige Routenplanung der Pipeline eine erhebliche Gefährdung für die sensiblen Schutzgebiete darstelle, welche von der Leitung durchkreuzt würden. Berater von Shell bestritten dies vehement.
Ein ehemaliger Armeeoffizier und Bombenexperte, Kommandant Boyle, welcher Pobal Chill Chomáin repräsentierte, warnte am 6. Tag der Anhörung vor entsetzlichen Konsequenzen, die eine Explosion der geplanten Gasleitung nach sich ziehen könnte. In der Vergangenheit sei es bereits mehrmals zu Explosionen von Pipelines gekommen, welche mit einem Druck von 70bar arbeiteten, was nur die Hälfte dessen darstellt, was für die neue Leitung vorgesehen ist. Er bezog sich namentlich auf eine Explosion in Belgien 2004, wo 24 Menschen ums Leben kamen sowie weitere 120 verletzt wurden. Die dortige Pipeline wurde von Fkuxys betrieben, einer Tochterfirma von Shell. In den letzten 10 Jahren kamen laut einer Studie von SB Marine Research & Associates in 58 Ländern 1.200 Menschen ums Leben als direkte Folge von gerissenen Gasleitungen. Er führte weiterhin aus, dass eine Gasexplosion ähnliche Auswirkungen habe wie eine kleine taktische Nuklearwaffe. Daher halte er einen Mindestabstand der Gasleitung von Anwesen von 500m für angemessener als die vorgeschlagenen 140m. Auf Nachfragen musste die Beratungsfirma von Shell eingestehen, dass im Falle einer Gasexplosion noch kein sicherer Zufluchtsort für Anwohner lokalisiert wurde. Sie bestätigten weiterhin die Ansicht von Mr. Boyle, dass Häuser innerhalb eines Radius von 230m allein durch die Hitzestrahlung, so das Gas voll unter Druck stünde, spontan in Flammen aufgehen könnten. Anwohner hätten dann sage und schreibe 30 Sek. Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Selbst wenn Gas konstant bei dem angedachten Druck von 140bar gepumpt würde, bestünde diesselbe Gefahr für Häuser innerhalb eines 170m-Radius noch immer. Auf erneutes Nachfragen, warum der angedachte Sicherheitsabstand in diesem Fall nur 140m betrage, erwiderte das Shell-Team nur: „Die Annahme war, dass es einen Zufluchtsort geben werde.“ In Bezug auf den gewählten Druck hieß es: „Dieser sei angemessen im Sinne eines umsichtigen Designs.“
Der ehemalige technische Leiter der irischen Gasbehörde, Leo Corcoran, welcher ebenfalls Pobal Chill Chomáin vertrat, sagte, dieses Projekt sei ein Paradebeispiel für ein eskalierendes Engagement seitens der Regierung. Hierbei zählte er mehrere Problempunkte des vorliegenden Planungsantrags von Shell auf: Es seien keine Leitfäden für die geplanten Pipelines herausgegeben worden, als das Projekt 2002 von den zuständigen Ministern genehmigt wurde. Der ausgewählte Raffinerie-Standort in Bellanaboy verletze die einschlägigen Richtlinien, da er sich in einem Versorgungsgebiet von Trinkwasser für eine Gemeinde mit 10.000 Einwohnern befinde. Auch die Ventilanlage in Glengad, welche die Offshore- und Onshore-Pipeline verbinden soll, sei ein unsicherer Standort und ohne die Zustimmung der dortigen Bevölkerung „sozial unhaltbar“.
Daraufhin wurde es einige Tage still um die Anhörung, am 18. und letzten Tag jedoch wurden die Stimmen nochmals laut:
Corrib-Gegner bezichtigten die beteiligten Minister sowie die Polizei der Beeinflussung der Gespräche durch das Zurschaustellen staatlicher Gewalt im Rahmen der massiven Sicherheitsaktion aufgrund der Ankunft der Solitaire. Das Ausmaß, indem dies inszeniert und mediengefüttert wurde, dränge den Vorsitzenden der Anhörung eine Entscheidung zugunsten Shell regelrecht auf. Die Geschwindigkeit, mit der der Konzern seine Arbeiten vorantreibe, obwohl über einen Schlüsselbereich der Gasleitung erst noch entschieden werden muss, verleihe der Anhörung eine surreale Atmosphäre.
Des weiteren wurden zu Beginn der Gespräche vorgebrachte Schlüsselfragen seitens der Corrib-Gegner noch immer nicht näher erörtert.
Minister Ryan wurde gar der Inkompetenz beschuldigt, da er den Advantica-Bericht, eine unabhängige Sicherheitsuntersuchung, welche von seinem Vorgänger Noel Dempsey in Auftrag gegeben wurde, ignoriert habe, während seine Vertreter beschuldigt wurden, die Teilnehmer der Anhörung täuschen zu wollen, indem sie Schlüsselpunkte des Berichts einfach abänderten.
Abschließend kritisierten mehrere Bürger die Art und Weise, wie dieses Projekt seitens des Staates gegen den Willen der Bevölkerung durchgeboxt werde, sowie die Mediendarstellung der Corrib-Gegner, welche schlichtweg kriminalisiert würden. Desmond Keane, Berater von Shell, auf der anderen Seite verteidigte in seinem Abschlussbericht die Sicherheitsvorkehrungen auf den Arbeitsplätzen des Konzerns: "Die umfangreiche Präsenz von Sicherheitspersonal sei notwendig im Lichte der andauernden Bedrohungen gegenüber Shell-Personal. Die bisherigen Einsätze von Security und Polizei mussten durchgeführt werden, um den Frieden aufrecht zu erhalten, da einige Personen versucht hatten, Menschen zu beeinträchtigen und zu verletzen, welche rechtmäßig in diesem Gebiet arbeiteten." Er erwähnte auch, dass bisher kein anderes Projekt über einen derart langen Zeitraum derart umfangreich untersucht wurde. Hierbei führte er aus, dass die Umweltschutzbehörde Shells IPPC-Lizenz einigen Modifikationen unterzog, um einer Vereinbarung mit der Erris Inshore Fishermen Association (EIFA) bezüglich der Ableitung von Abwasser in die Fischgründe der Broadhaven Bay gerecht zu werden. Mr. Keane lehnte eine Verlegung der Raffinerie nach Glinsk weiterhin ab, da zur Verlegung einer dortigen Pipeline Tunnel gegraben werden müssten und ein 5,5km langes Stück der Gasleitung im diesem Falle durch das Schutzgebiet des Glenamoy-Sumpfes verlaufen würde. Abschließend führte er als Antwort auf die Frage nach Unregelmäßigkeiten bisheriger Anträge seitens Shell aus, dass sämtliche Teile des Projekts unter Einhaltung aller nationaler und europäischer Gesetzgebungen beurteilt wurden. Eine Entscheidung der Planungsbehörde wird für den Spätsommer 2009 erwartet. |