|
Am 09.04.2009 unterzeichnete Energieminister Eamon Ryan schließlich die Freigabe für Shells neue Pläne zur Verlegung der Offshore-Pipeline. Obwohl vom Gemeinderat von Mayo noch keine Genehmigung für den Festland-Abschnitt, beginnend in Glengad, erteilt wurde, begann Shell am 22.04. mit vorbereitenden Arbeiten.
Bereits am 10. April begaben sich 150 Demonstranten im Rahmen des „Good Friday Walk“ zum Shell-Gelände, wo sie von ca. 40 Sicherheitsbeamten ohne erkennbare Identifizierungsmarke empfangen wurden. Nach längerem Gerangel, bei dem die Sicherheitsleute laut Augenzeugenberichten Gewalt – u.a. gegen Frauen und Jugendliche – anwendeten, gelang es den Protestanten schließlich, erneut jene Netze zu zerstören, welche dazu dienten, gefährdete Vögel vom Nestbau an den Klippen abzuhalten. Diese wurden in den letzten zwei Wochen bereits mehrere Male von lokalen Bürgern zerstört.
Zwei Wochen später, am 23.04., wurden die Anwohner um 6:30 Uhr morgens von schwerer Maschinerie geweckt, nachdem sie erst einen Tag zuvor davon in Kenntnis gesetzt wurden. LKW's lieferten neue Sicherheitszäune nach Glengad, während Bagger eingesetzt wurden, um diese zu installieren.
Nur kurze Zeit später begaben sich mehrere Demonstranten zum Shell-Gelände, um die Arbeiten zu stoppen. Ein Camper blockierte ca. 10h lang den Bagger, welcher schließlich samt Protestant entfernt und durch einen anderen ersetzt werden musste. Maura Harrington blockierte mit ihrem Auto die Zufahrt zum Gelände, während andere Teilnehmer Abschnitte der bereits angebrachten Sicherheitszäune wieder abrissen. 3 Demonstranten, darunter Willie Corduff von den Rossport 5, versuchten einen LKW daran zu hindern, seine Ladung abzuliefern. Hierzu begaben sie sich unter das Gefährt und weigerten sich, ihren Platz zu verlassen, bis Shell eine Genehmigung für die Arbeiten vorweisen könne. Nachdem zwei Personen von der Garda (irische Polizei) entfernt wurden, kettete sich Mr. Corduff an den LKW und setzte die Demonstration fort.
Der Versuch, ihn gewaltsam unter dem LKW hervorzuziehen, indem sie Mr. Corduff laut Augenzeugenberichten schlugen und mit Steinen bewarfen, scheiterte. Mr. Corduff blieb standhaft, obwohl er danach noch mehrmals vor Schmerzen aufschrie, während die Beamten, welche sich in seiner Nähe befanden, dies nicht zu stören schien. Die Polizei wies derlei Vorwürfe zurück.
Bis in die Nacht hinein setzte er seine Blockade fort. Um Mr. Corduff zu unterstützen, richteten mehrere Demonstranten eine Mahnwache ein. Gegen 4 Uhr morgens war jedoch nur noch sein Schwager zurückgeblieben, während die anderen sich entfernt hatten, um Verpflegung zu organisieren. In diesem Moment erschienen ca. 6 Personen mit Sturmhauben und Schlagstöcken, zerrten Mr. Corduff mit Gewalt unter dem LKW hervor und begannen, exzessiv auf ihn einzuschlagen. Erst als er sich nicht mehr bewegte, ließen sie von ihm ab. Auch sein Schwager, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde Opfer des Attentats. Nachdem sich die Schläger entfernt hatten, wurde Mr. Corduff ins Krankenhaus gebracht, wo seine - Gott sei Dank nicht lebensbedrohlichen - Verletzungen behandelt wurden.
Laut einer Pressemitteilung von Shell-To-Sea seien die Männer Angestellte der Sicherheitsfirma I-RMS gewesen, welche von Shell zur Bewachung des Geländes beauftragt wurde. Bereits zuvor wurde Kritik an der Personalpolitik der Firma laut, als nach Pressemeldungen ein ehemaliger Angestellter von I-RMS in Bolivien bei dem Versuch erschossen wurde, Präsident Evo Morales zu ermorden.
Die Polizei ermittelte zudem in einem weiteren Vorfall, der sich in jener Nacht zugetragen haben soll. Bis zu 15 Personen sollen, ebenfalls mit Sturmhauben, Werkzeugen, Ketten und Balken ausgerüstet, die Gegend verwüstet haben. Ob die beiden Ereignisse zusammenhingen, stand bis dato noch nicht fest.
Shell stand hinsichtlich dieser schweren Menschenrechtsverletzungen wie immer für keinen Kommentar zu Verfügung. |