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Anfang August besuchte ich mit einer guten Freundin – nachdem ich mittlerweile seit ca. 2 Jahren für Shell-To-Sea Germany übersetze – endlich das Rossport Solidarity Camp. Leider ein wenig zu spät, wie ich enttäuscht feststellen musste.
Die Solitaire ist der Shell-To-Sea-Armada entkommen, die Offshore-Pipeline mittlerweile bis zum Corrib-Feld verlegt. So war auch das Camp bis auf ein paar wenige Aktivisten verlassen, da die meisten sich zwischenzwitlich anderen Projekten zuwandten. Die Arbeiten auf Shells Gelände nehmen merkwürdig friedlich ihren Lauf, die Raffinerie ist zu 80% fertig.
Die bezaubernde Broadhaven Bay liegt da, als ob nichts gewesen wäre. Nur der unermüdliche irische Wind zerrt ein wenig an meinen kontinentalen Nerven. Und so stehen auch die Zeichen hinsichtlich des Corrib-Projekts weiter auf Sturm. Der Schein trügt, der Frieden ist ein falscher. Alles scheint auf etwas zu warten.
V.a. warten die meisten auf eine Entscheidung von Án Bord Pleanála bezüglich der Festland-Leitung. Diese wurde jedoch „aufgrund der Komplexität des Projekts“ wiederum auf den 23.10.09 vertagt.
So blieb auf dem Camp nicht viel weiter zu tun als das Lagerzelt für die legendären Kajaks abzubauen und für den Abtransport zu verstauen, weil es bei einer anderen Umwelt-Aktion benötigt wurde. Ein Spaziergang entlang des Dooncarton Mt., wo es vor wenigen Jahren zu einem verheerenden Erdrutsch kam und ebenfalls Streitpunkt in punkto Gasleitung war, mutete schon fast wie ein touristischer Ausflug an.
Ein Highlight war jedoch der Besuch eines Benefiz-Konzerts in Sligo, auf dem sich viele Aktivisten und Unterstützer der Kampagne die Hand gaben. So bekamen wir endlich auch Persönlichkeiten wie Willie Corduff, Maura Harrington und den „Chief“ Pat O'Donnell zu Gesicht, der während einer Konzertpause in einem Bühneninterview nochmals von dem Attentat auf sein Leben und das seines Sohnes während dem Versenken seines Fischerbootes berichtete. Drum herum gab es zu meinem Guinness Irish Folk Music vom Feinsten. Ein mit Pat befreundeter Fischer trug zum Spiel einer Querflöte ein wunderschönes Gedicht vor, obwohl ich aufgrund des strengen Akzents leider kaum ein Wort verstanden habe. Während einer Raucherpause erklärte mir der Chief, dass sein Freund es eigens für einen anderen mit ihnen befeundeten Fischer gedichtet habe, der bei einem Unglück auf hoher See ums Leben kam. Mehr Zeit zum Reden blieb leider nicht. Als ich ihm auf seine Frage noch kurz erzählte, warum ich überhaupt dort sei und was ich mit Shell-To-Sea zu tun habe, klopfte er mir mit einem breiten Grinsen auf die Schultern, machte Daumen hoch und sprintete auch schon zum nächsten Gesprächspartner. Ich bin sicher, er hat mit jedem einzelnen Gast mindestens 1-2 Male an diesem Abend geredet und zeigte dabei keinerlei Ermüdungsanzeichen. Unter anderen Umständen wäre aus ihm wohl ein hervorragender Politiker geworden, was den Abend für mich mit einer feinen ironischen Note versah. Gegen 1 Uhr morgens traten wir die holprige Rückfahrt zum Camp an und fielen eine Stunde später todmüde in unsere Schlafsäcke. An die irische Luft muss man sich erst gewöhnen.
Niall Hartnett konnte leider nicht dabei sein, da er sich zu diesem Zeitpunkt noch immer in Haft befand. Mittlerweile ist er jedoch unter dubiosen Umständen gegen Kaution freigekommen. Letztes Wochenende wurde ihm angeboten, über das Wochenende bis zur Berufungsverhandlung am 17.08. entlassen zu werden, wenn er die Konditionen der ersten Gerichtsentscheidung, welche er zuvor abgewiesen hatte, nur für dieses eine Wochenende anerkennen würde. Vor dem Berufungsgericht könne er dann erneut die Konditionen ablehnen. Verwirrt nahm er die Gelegenheit wahr, seine Freundin auf dem Camp zu besuchen. Dies hatte allerdings zu Folge, dass aufgrund seiner Entscheidung eben jener Gerichtstermin am 17. August nicht mehr eingehalten werden konnte, da dort um seine Freilassung verhandelt werden sollte, er sich jedoch bereits - wohl aufgrund einer Falschinformation eines Gardaí „nur über das Wochenende“ - gegen Anerkennung der ursprünglichen Konditionen auf freiem Fuß befinde. So muss er nun mehrere Wochen auf einen weiteren Termin vor dem Berufungsgericht warten. (Ich hoffe, dass dieser Absatz Sinn macht, denn ich bin nicht weniger verwirrt als Niall, als er seinen Bericht auf der irischen Website veröffentlichte.)
Tags darauf verabschiedeten wir uns jedenfalls von den netten Menschen im Camp und machten uns nach dieser Kurzvisite wieder auf den Heimweg.
Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft!
Eine Schlacht ist verloren, aber der Krieg geht weiter. Don't give up the fight! |