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Neil McEleny ist ein breitschultriger, muskulöser Mann, welcher sein täglich Brot auf dem Bau verdient, seit er 16 ist. Er kam noch nie mit dem Gesetz in Konflikt und begrüßte jede neue Bauplanung, sei es nun ein Einkaufszentrum oder eine Industrieanlage. Wie so viele dachte er zu Beginn des Corrib-Projekts, dass dies eine weitere Chance für seine Region hinsichtlich wirtschaftlichen Aufschwungs und Schaffung von Arbeitsplätzen darstelle. Man - und wahrscheinlich er selbst am allermeisten - wäre nicht im Traum darauf gekommen, dass er sich eines Tages auf der Straße wiederfinden würde, um einen LKW-Transport von Shell zu blockieren.
Und doch geschah genau das am 12. Juni diesen Jahres: McEleny wachte um 9 Uhr morgens auf und dachte: „Genug ist Genug.“ Er stieg in sein Auto, blockierte die Straße direkt vor seinem Haus und hinderte so einen LKW-Convoy am Weiterkommen, der Steinladungen für das Glengad-Gelände von Shell transportierte.
Wie konnte es soweit kommen? Die Probleme begannen für ihn und seine Familie im Jahr 2008. Bis dahin hatten sie ein leidlich erfolgreiches Bed & Breakfast geführt, nachdem er seine Tauchschule aufgrund eines tragischen Unfalls an den Nagel hängen musste. V.a. im Juli letzten Jahres wurde die Straße vor seinem Anwesen schwer befahren, da massenweise LKW-Transporte für Shell stattfanden. Laster um Laster mit meist 32t Ladung und mehr donnerte tagtäglich von 5:30 Uhr in der Früh bis 9 Uhr abends nur wenige Zentimeter von seiner Hauswand entfernt vorbei – auf Genehmigung des Gemeinderats von Mayo, der die Straße zu diesem Zweck für ca. € 5 Mio. extra ausbessern ließ. Unter diesem Dauerbombardement gab die Vordermauer seines Gartens nach und stürzte ein, da sie die Straße in ihrer Struktur mit festhielt, und stellte somit ein Risiko für die Sicherheit und Gesundheit sowohl seiner Familie als auch für andere Straßenbenutzer dar. Durch die Vibrationen entstanden zudem Risse auf der Innen- und Außenseite der Hauswände, außerdem berichtete er von mehreren Wasserschäden. Dachziegel fielen herunter, im Inneren des Hauses sah es aus, als on die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen hätte.
Diese Schäden müssen nun im Zusammenhang mit der lokalen Geographie gesehen werden: die Gegend besteht hauptsächlich aus instabilem Sumpfgebiet, in der es bei schweren Regenfällen nicht selten zu Erdrutschen kommen kann. Aus diesem Grunde wurden in dem als Hochrisikozone deklarierten Gebiet zuvor mehrere Bauplanungen seitens des Gemeinderats abgelehnt, für Shell wurde jedoch mysteriöserweie eine Ausnahme gemacht.
Unzählige Male telefonierte er mit dem Gemeinderat, um sich zu beschweren und Kompensation für die erlittenen Schäden einzufordern. Er wurde mehrmals persönlich vorstellig, jedoch stand in den meisten Fällen niemand zur Verfügung. Zweimal wurde ihm sogar versprochen, dass ein Ingenieur den Schaden inspizieren werde, der jedoch ist nie erschienen. 8 Mal beschwerte er sich bei der Polizei. Nichts passierte. Schließlich wandte er sich in seiner Verzweiflung an Shell und erhielt das Versprechen, dass sich baldmöglichst jemand der Sache annehmen werde. Er wartet noch bis zum heutigen Tag darauf. Im Licht einer derart wahnwitzigen Ignoranz erscheint seine Straßenblockade wie ein höflicher Fingerzeig. Erst vor kurzem errichteten Gemeindearbeiter eine neue Stützmauer für sein Anwesen. Neil McEleny bleibt jedoch skeptisch: „Die haben die nur gebaut, um die Straße zu schützen, damit die LKW's weiterhin durchfahren können.“
Als Anfang diesen Jahres weitere Hauseigentümer Schäden an ihren Gebäuden feststellten, wurde am 21. Mai eine Bürgerversammlung einberufen, bei der dem vorsitzdenden Abgeordneten eine Liste mit 30 Beschwerdepunkten bezüglich Sicherheits- und Gesundheitsbedenken der Bewohner vorgelegt wurde. Bis heute hat niemand auch nur in irgendeiner Form darauf reagiert, geschweige denn der Besorgnis der Bevölkerung Rechnung getragen.
Der Fall McEleny stellt einen Mikrokosmos der Art und Weise dar, wie das gesamte Corrib-Projekt trotz ausschweifenden gegenteiligen Beteuerungen hochrangiger Politiker gehandhabt wird. Eine Familie, die sich bis dahin in keinster Weise gegen das Vorhaben gestellt hatte, wurde durch die Arroganz von Shell sowie des Staates regelrecht dazu gezwungen, ihre Stimme zu erheben. Auf der Bürgerversammlung wurde unter den Anwohnern beschlossen, dass andere die Blockade weiterführen sollten, wenn McEleny verhaftet werden würde. „Wenn ein Mensch 7 Trucks aufhalten kann, dann sollen sie mal sehen, was 20-30 Leute ausrichten können“, so der Bauarbeiter.
Letzten November erklärte ein Vertreter seiner Versicherung, dass er nur für den Fall seine Hausratsversicherung weiterführen könne, wenn er seinen Vorgarten zur „Katastrophenzone“ erkläre und den Pfad zur Rückseite des Anwesens versiegeln würde. Dies würde die einzige Möglichkeit zum Spielen für seine Kinder eliminieren, da sich im hinteren Garten Schaukel u.ä. befindet. Doch stellt dies nicht seine einzige Sorge dar: „Es gibt viele Tage, an denen man aufwacht und sich denkt: oh Gott, nicht noch so ein Tag.“ Aber auch wenn die Wände seines Heims eines Tages nachgeben sollten, er selbst wird dies sicherlich nicht tun. Und vielleicht schreibt irgendwann irgendwer auch eine Geschichte über ihn. |